Einordnung
Ein Leitbild ist ein schriftlich formulierter Orientierungsrahmen für dein eigenes Handeln.
Ohne definierten Maßstab werden Entscheidungen oft situativ getroffen.
Dringlichkeit ersetzt dann Wichtigkeit.
Stimmung ersetzt Richtung.
Ein Leitbild schafft Vergleichbarkeit.
Es beantwortet nicht die Frage „Wer bin ich?“,
sondern die Frage:
„Woran messe ich meine Entscheidungen?“
Ein Leitbild:
- definiert, was für dich langfristig Bedeutung hat
- macht Prioritäten überprüfbar
- reduziert innere Widersprüche
- erleichtert die Bewertung von Angeboten, Aufgaben und Möglichkeiten
Es ist kein Motivationsdokument.
Es ist ein Referenzrahmen.
Voraussetzungen
Ein Leitbild ist besonders sinnvoll, wenn:
- viele Möglichkeiten gleichzeitig bestehen
- langfristige Ziele unscharf sind
- Prioritäten regelmäßig wechseln
- Entscheidungen sich widersprüchlich anfühlen
Es ersetzt keine Erfahrung.
Es schafft Struktur.
Erstellung des Leitbildes
Die Erstellung erfolgt in zwei klar getrennten Schritten.
Schritt 1 – Klärung (ca. 10–15 Minuten)
Beantworte schriftlich folgende Fragen:
- Welche Lebensbereiche sollen in meinem Leben dauerhaft Gewicht haben?
(z. B. Gesundheit, finanzielle Stabilität, Familie, berufliche Entwicklung, persönliche Freiheit) - Welche Zustände oder Eigenschaften sind mir in diesen Bereichen nicht verhandelbar?
(z. B. Verlässlichkeit, Selbstständigkeit, Stabilität, Weiterentwicklung) - Welche Richtung soll mein Leben in den nächsten Jahren grundsätzlich nehmen?
Nicht: konkrete Ziele.
Sondern: Bewegungsrichtung.
Antworte stichpunktartig.
Noch kein fertiger Text.
Schritt 2 – Verdichtung
Forme aus deinen Stichpunkten eine klare, maximal einseitige Leitbild-Seite.
Nutze folgende Struktur:
- Ich stehe langfristig für …
- Meine Entscheidungen dienen …
- Ich bewege mich in Richtung …
- Ich reduziere oder vermeide bewusst …
Wichtig:
- keine allgemeinen Begriffe ohne Bedeutung
- keine Floskeln
- überprüfbare Aussagen
Ein Leitbild muss lesbar und konkret sein.
Anwendung des Leitbildes
Ein Leitbild entfaltet Wirkung nur durch Nutzung.
Bei wichtigen Entscheidungen stelle dir zwei Fragen:
- Unterstützt diese Entscheidung meine formulierte Richtung?
- Steht sie im Widerspruch zu meinem Leitbild?
Bei Priorisierungsfragen – etwa bei der Einordnung von Aufgaben in einer Eisenhower-Matrix – dient das Leitbild als Maßstab dafür, was als „wichtig“ einzustufen ist.
Es hilft zu unterscheiden, welche Aufgaben langfristig Bedeutung haben und welche lediglich dringend erscheinen.
Wenn eine Entscheidung wiederholt im Widerspruch steht,
ist entweder die Entscheidung falsch – oder das Leitbild unscharf formuliert.
Das Leitbild ist kein moralischer Maßstab.
Es ist ein Vergleichsrahmen.
Überprüfung
In größeren Abständen (z. B. alle 3–12 Monate):
- Leitbild lesen
- Unklare Formulierungen konkretisieren
- Geänderte Prioritäten anpassen
Ein Leitbild darf sich entwickeln.
Es soll nicht täglich neu geschrieben werden.
Hinweise & Grenzen
Ein Leitbild garantiert keine „richtigen“ Entscheidungen.
Es reduziert Unklarheit.
Es ersetzt keine Handlung.
Es schafft Richtung.
Abschluss
Ohne Maßstab entsteht Reaktion.
Mit Maßstab entsteht Orientierung.
Orientierung
Diese Seite beschreibt ein Strukturwerkzeug innerhalb des Anwendungsraums.